Wonderland

Der Tortur zum Trotz, träumst du in deine Welt hinein.

»Die Gefahren von Traumwelten sind«, flüsterst du sagend wie fragend, »dass man in Etwas seinen Verstand verliert. Zumindest fühlt es sich so an.«

Meine Augen blinzeln deine Tage, Wochen und Jahre zurück. Erhaschen die Deckung, die du dir vor das Gesicht gezogen hast, wann immer dein Vater ausgeholt hat. Ich verschweige dir das, denn es sind deine Erinnerungen, die du mir eines Tages in den Hals geweint hast. Ich blinzle nur und bewundere die Tatsache, dass du all das ausblendest, all das Schlimme. Deine Argumente sind die Wege, die du panisch gerannt bist, als du Flucht und Mut in ein einsames Reziproke gestellt hast. „Wonderland“ weiterlesen

Flüstergewalt

Kaltes Blut schießt durch deine Blutbahnen. Worte wie unfrei und verändert regnen auf meine müden Augen nieder. Je lauter du mich anschreist, desto leiser wird die Botschaft, die mir weh tun soll.

Ich bin nicht das, was du dir erhofft hast, sagst du. Der Stich sitzt und blutet. Ein goldener Käfig voller Unfreiheit. Meine vier Wände haben Gitter, denkst du. Du sagst es nicht. Deinen Blicken kann man den Mund nicht zuhalten. Lautlos stichst du wieder zu. „Flüstergewalt“ weiterlesen

Der Weltherzschrittmacher im Untertitel

Ohne große Mühen in andere Welten getragen. Die Hände vom Staub befreit. Lesen die Drogen im Untertitel. Verbieten den Blicken des Anderen den Mund. Denn: wir sind zu groß für Worte. Denn: wir sind zu klein um wegzuhören. Schlagen an flüssige Wände, stoßen uns am Rausch, an den vielen Kanten, die viel zu oft unbemerkt bleiben. Versorgen die Beulen, die blutigen Lippen, die verschorften Fäuste. Die Sprecherinstanz aus dem Off moderiert:

»Die schönsten Augenblicke passieren, wenn Gehirnzellen absterben. Wie Sterne erlöschen.«

Ich habe die Fratze des Weltherzschrittmachers erlebt. Live vertont im Untertitel.

Höhepunktiös

»Was ist nur los mit dir«, denke ich mir fragend, während deine ausladende Geste mir weh tut. Ich bin bestürzt darüber, dass es dir immer noch nicht gelingt zu mir zu stehen, vor den anderen, zu denen du in diesen komischen Momenten viel eher gehören willst als zu mir.

Während du Speerspitzen abfeuerst, mir lachend durch die Haare wuselst, als wäre das alles nur ein Scherz, frage ich mich, ob du bemerkst, dass du jedes Mal mit kleinen Augenblicken, so kurz wie ein Atemzug oder Satz, unseren Point of no Return zu einem Wunsch verwandelst, den ich auch getrost alleine träumen kann, während ich mir das Alleinsein schön rede. Bremsen vor dem Klimax. Es ist meine Qual. Und dein »Egal«, Baby.  In diesem Augenblick bleiben wir höhepunktlos. Und punktlos. Ich sehne. „Höhepunktiös“ weiterlesen

Nimroz

Die Sonne brennt an einem späten Nachmittag im Juli. Nach einem langen Marsch unter afghanischem Himmel erreichen wir Felder bei Zaran irgendwo in der Provinz Nīmrūz. Uns brennen die Köpfe und die Füße. Auf einem Mohnfeld verstecken wir uns vor bewaffneten Männern. Nach langem Schweigen, setzt sie sich auf, öffnet ihren Rucksack und holt zwei Granatäpfel aus einer dreckigen Papiertüte. Unter Schmatzen werden wir schläfrig. Meine Leinenhose ist völlig durchgeschwitzt. Geduckt bauen wir uns einen provisorischen Sonnenschutz aus unseren Kleidern. Ich spüre einen heißen, langsamen Windstoß, das Feld zittert und wir lauschen der Einöde. Unsere Augen fallen zu. Dann sterben wir und die Unendlichkeit wird real. Ich habe keinen blassen Schimmer, was passiert ist.