Archive for the 'Revolte' Category

Einverstandensein

Bacardi Razz, Raspberry Flavoured natürlich, mit Sprite, beschichtet mit tiefgefrorenen Himbeeren, dazu eine lässig aus dem Handgelenk geschüttelte Flankierung mit eisgekühltem Three Sixty Wodka, touchy Samtetikett inklusive, in Erdbeersaft. Alles in mutigen Verhältnissen gemischt, hochgelegte Füße, kleine Abstellhocker aus Holz, für die Drinks. Hier und da wilde Gesten des Einverstandenseins. Ehrliches Mitleid für Menschen aus Haßloch – die, die entweder in Scheunen oder in Supermärkten wohnen und Jogurts und Säfte ohne Branding konsumieren müssen. Dazu das laute Echo von Gelächter im Raum. Man muss es der Masse nicht erklären, diesen merkwürdigen Insiderism. Dieses Gefühl, wortlos untereinander zu verstehen, miteinander zu funktionieren, wie eine gute Idee. Manchmal denkt man an einen größeren Plan, einen ohne Struktur, ohne Gliederung, ohne erkennbaren Anfang oder fassbares Ende. Ein Plan, ohne eine To-Do-Liste, aber ein fühlbaren Form. Je intensiver man daran denkt, sich ausmalt, desto unklarer wird er. Als würde man mit Taucherbrille am Strand auftauchen und noch nicht klar sehen können. Keiner nimmt das bewusst wahr, aber die Wahrheit ist: Wer will schon klar sehen, wenn die Gesten stimmen?

Portrait Of A Call Girl

Pierre & Ø

Pierre war das Kaliber Typ, das den eigenen Standpunkt mit freundschaftlichen, jovialen Ohrfeigen unterstreichen musste. Das war hart, denn jedes Mal wenn er seiner Ansicht nach den Nagel auf den Kopf traf, hatte man seine verschwitzten Griffel im Gesicht. Eine ziemlich merkwürdige und homoerotische Geste.

Pierre schüttete mir auf dem Ø festival seinen Drink in den Schritt. Es gibt sie ja, diese Menschen, die seltsame Dinge machen um in den Erinnerungen anderer einen Platz zu finden, um nicht vergessen zu werden: Im Prinzip der Gestus, wenn nach der Grenzüberschreitung nichts mehr da ist, was man erklären kann oder möchte.

Pierre nötigte mich zu einem Gespräch und erzählte mir, dass er bis heute nicht wisse, wem er aufs Maul hauen sollte. Es war nur klar, dass es passieren müsste und ich sagte „Okay“. Mich wundert in diesen Tagen ehrlich gesagt nichts mehr. Die Welt hat die verrücktesten Gestalten hervor gebracht. So schleicht die Apokalypse langsam in den Hinterhof. Eine ganz stille Invasion, awkward, aber nicht sonderlich schockierend. Vielleicht bin ich mit meiner Normalität, mit meinem Sinn für das Gewöhnliche einfach nur eine weitere Facette in der entkernten Welt der Creeps.

Seine französische Urgroßmutter hatte sich Mitte 1940 mit einem einfachen Soldaten der Wehrmacht eingelassen, fuhr Pierre fort, kniete sich vor mich, zog ein sorgfältig gefaltetes Stofftaschentuch aus seiner Tasche und rieb damit in meinem Schritt. Seine Urgroßmutter wurde schwanger. Es waren seine weichen Hände, die sie schwach machten. Ein junger Soldat mit weichen, sauberen Händen: Sie mochte dieses kleine Detail, denn es machte keinen Sinn in dieser schrecklichen Zeit. Sie verliebte sich in eine Fata Morgana, und so schwer es mir auch fiel ihm angesichts der Reiberei mit der notwendigen Aufmerksamkeit zuzuhören: Das machte Sinn.

Nach dem Krieg wurden die Dinge viel komplizierter und all die Ablehnung wurde von Generation zu Generation weiter vererbt. Pierre, der nach der Migration seiner Eltern in Mannheim geboren wurde und aufwuchs, begriff nach eigenen Aussagen nie, was er war: Deutscher oder Franzose, Geist oder Lebender, Mensch oder Monster. „Kosmopolit“, sagte er mit einem traurigen Augenzwinkern. Er zeigte auf sein Herz und gab mir die berüchtigte joviale Ohrfeige. Ich war hier, um zu tanzen. Schrecklich, wie schnell sich Augenblicke ins Reziproke stellen lassen.

Und so trifft sich die Welt auf den Ochseninseln“, sprach er verkündend und zerrte mich vom tanzenden Pulk weg. „Komm mit, ich zeig dir was“, fuhr er fort und zeigte mit seinem Arm ausbreitend in die Nacht. Ich dachte: Wenn du bis hier gegangen bist, dann gehe noch einen Schritt weiter. Nur einen einzigen. Weiter wärst du alleine nie gegangen.

Mir wurde flau.

Wir kamen zum Wasser, etwas abgelegen und ich sah ein Boot mit zwei Paddeln. Warum auch immer, aber ich war unfähig, ihm zu sagen, dass ich ihn für einen abgedrehten Spinner hielt, der sein Christian-Kracht-Faserland-Ende mal schön alleine durchziehen sollte. Aber es war unangebracht. Die Insel war zu klein für Heldenmut, die Musik zu gut, die Drinks zu flüssig und die Einsamkeit zu zweit.

Der Alkohol wirkte, Pierre ruderte ziemlich geschmeidig und wortlos zum dänischen Festland. Lille Okseø – Sønderhav: Flüssiger Traum in der Flensburger Förde unter sternenklarem Himmel, hinter uns die Soundkulisse des Ø. Ich rauchte eine Zigarette und starrte in die dunkle Kuppel, die uns umgab wie ein viel zu großes Kostüm. Pierre telefonierte auf Französisch. Jedes Wort versank unverstanden in meinen Ohren. In diesem Bild war irgendetwas verkehrt angeordnet. Und je länger man hinsah, desto weniger dachte man an den Fehler. Es war als hätte die Form den Inhalt besiegt.

Nicolai

Der Tod kam so plötzlich, so leise, dass es nichts darüber nachzudenken gab. Da war nichts. Für einen kurzen Augenblick hatte ich das Gefühl von Angst und ich sah, dass auch in Nicolai etwas vor sich ging, das man ein Leben lang hätte studieren können und trotzdem nicht verstehen würde. Egal wie ungeordnet oder chaotisch man als Persönlichkeit war, das spielt kurz vor dem Tod keine Rolle mehr. Höchst merkwürdig.

Ich wünschte, ich wäre vorbereitet gewesen, dann hätte ich es irgendwie erklären oder beschreiben können. Aber ich war es nicht und das ist verständlicher als alles, was man dazu sagen kann, glaube ich.

Hier wo ich jetzt bin, ist es seltsam. Man fühlt sich so schrecklich klar und überwältigt, ziemlich ungewohnt, weil man sich als absurdes Fragment in etwas Existenz- und Zeitlosem eingefügt hat. Wie ein vor langer Zeit verloren gegangenes Puzzleteil, ein Randstück, um genau zu sein, eine Kante. Ja, eine Kante passt ganz gut.

Ich besitze irgendwie noch immer ein Zeitgefühl, als läge es tief in mir, völlig unfähig darin, sich aufzulösen. Ich kann mir vorstellen wie bizarr und verwirrend das alles klingen mag, aber wie ich sagte: Ich bin selbst völlig überwältigt. Ich habe hier am Anfang, nachdem sich die Stille wie eine kalte, weite Wüste ausgebreitet hat, Nicolai gehört. Es klang wie ein Echo, das ewig dauert. Ich konnte einfach nicht verstehen, was er sagte. Ich rief immer wieder seinen Namen, aber es blieb still. So unendlich still. Ich dachte, die Stille hier, ist wie im Leben: Man weiß manchmal einfach gar nicht, was sie einem sagen will, was sie sagen soll. Sie kann einen aufsaugen, kann alles aufsaugen, absorbieren, und taub machen.

So ist das hier auch1.

Und sie hat Nicolai absorbiert und hätte ich etwas gesagt, wäre es mir auch so ergangen. Darüber musste ich ein bisschen und ganz alleine für mich lachen, weil das schon komisch ist: Ich habe mich die meiste Zeit meines Lebens viel zu selten zu Wort gemeldet und nachdem das Leben nun vorbei ist, wird man zum Schweigen verdonnert. Für eine ganze Weile schwieg ich und das hätte mich beinahe verrückt gemacht. Irgendwann hörte ich Nicolai sagen: „Ich verstehe dich.“ Es klang so glasklar und nah, dass ich zusammenfuhr und vor Schreck nur fragend hervorbrachte: „Akustisch oder generell?“ Das tat mir irgendwie leid, dass ich das gesagt habe. Nico musste aber lachen und das beruhigte uns beide2.

Ich sagte: „Nico, ich komme mir hier wie eine unnütze Erinnerung vor ….“

Er schwieg und ich spürte, dass ich ihm damit etwas bewusst machte, was schmerzhaft war. Und da er nichts sagte, sehr lange, merkte auch ich, dass das sehr schmerzhaft war. Vielleicht hätten wir hier weinen sollen, einfach weinen, das hätte etwas ausgesagt, aber wir taten es nicht und das brachte das ganze Tabula-Rasa sehr gut auf den Punkt. Etwas, das wir uns nicht ansehen, vor dem wir auf ewig die Augen verschließen wollten.

Anders als ich kam Nico mit einer Sache sehr gut klar: Er konnte den Augenblick vor dem Tod erklären, wie ich jetzt weiß, und das Gefühl, das ich an der bosnischen Landstraße an ihm beobachtet und als einen Ausdruck der Angst bezeichnet hatte. Das konnte er erklären. Ich war so voller Hoffnung und Ruhe und froh darüber, dass er hier bei mir war. Ganz ehrlich.

This ain’t California

Wir Jungs aus’m Osten.

Dirt


Wir brauchen wirklich mehr davon.

Du bist dort und ich bin hier

Das Mädchen auf dem kleinen Fahrrad, das rot lackiert die Sonne matt zu reflektieren versucht, trägt ein weißes Kleidchen mit gelben Punkten darauf. Sie ist eine Projektion meiner Tagträume, eine Fata Morgana, ein Hirngespinst. Ihre blond gelockten Haare werden durch eine dunkle Holzspange zusammengehalten. Ihr Pony wird durch die Brise nach links gepustet. Sie winkt mir ernst dreinblickend und bewegt ihre Lippen. Mit jedem Schritt, den ich auf sie zuwage, wird es ein bisschen heller und wärmer. Ich schreie aus lauter Kehle: “Wo bist du, wo bist du?”

Blind tappe ich orientierungslos in gleißend hellem Licht, der mich wie dicker Nebel umhüllt. Meine Hände machen Greifbewegungen, meine Augen beginnen zu brennen. Aus der Ferne höre ich eine Stimme etwas rufen; es ist nicht meine: “Du bist dort und ich bin hier.”

Ich hocke mich langsam hin und halte mir die Ohren zu.

Conquer your soul

An einem Morgen übergab man ihm kurz nach Sonnenaufgang drei Wünsche, die er sich selbst einteilen konnte. Es war einer dieser Morgen, die sich rätselhaft in die Länge zogen; etwas also, das ihm nicht unbekannt war. Zwischen frisch aufgebrühtem Kaffee und Weizenbrötchen dachte er nach. Sein Blick klebte am Horizont. Als er die Tasse vom Mund absetzte und die Augen zusammenkniff, wurde alles viel leiser als sonst. Im Namen aller Gehetzten sprang er wie von der Tarantel gestochen von seinem Stuhl hoch, ließ die halbvolle Tasse Kaffee aus seinen Händen gleiten, eilte schnurstraks aus dem Zimmer, stieß sich sein Knie am Türrahmen, humpelte mit dem Rest Energie, die ihm verblieb, zu seinem Notizbuch und schlug eine leere Seite auf. Er hatte Atemnot, schloss seinen Mund und lauschte aufmerksam dem Dröhnen der Stille. Das Notizbuch und der Stift ruhten fest umklammert in seinen Händen. Das Herz pochte laut und schnell in seiner Brust, der Puls wummerte sich auf leisen Sohlen durch seine Gehörgänge. Dass er schon schrieb, merkte er erst, als er seinen Blick senkte. In krakeliger Schrift stand da geschrieben: „Was macht ihr nur mit uns?

Lautlos tropfte Kaffee auf den Küchenboden.

Und so wie dieser Satz da stand, stoppte alles, was mit klebrig-süßer Existenz überzogen war. Nichts, was davor hätte stehen können, war von Bedeutung. Nichts, was hätte folgen können, war erschwinglich. Ein Raunen flutete alles, was in Sichtweite war, hier und da fiel ein Blatt vom Baum. Sein erster Wunsch ging in diesem Augenblick in Erfüllung. Noch bevor er ihn zu Ende hätte denken können, wurde dieser Planet aus seiner Laufbahn geschossen und flatterte nun mit einem gewaltigen Drall durchs All. Mit jeder Umdrehung ging etwas verloren, sausten die Dinge nur so davon bis nichts mehr übrig blieb und der Himmel sich erhellte.

(via)

Benommen stand er auf, klopfte sich den Sand aus den Kleidern und sah sich um. Es war nichts zu erkennen, nichts da, das auf etwas zurückzuführen war. Seine Hand glitt durch sein Haar und er atmete tief durch. So stand er eine ganze Weile auf einem Fleck, die nackten Füße halb mit Sand bedeckt. Instinktiv setzte er ein Bein vor das andere, schloss seine Augen und erhob seine Arme langsam, als würde er zum Flug ansetzen. Es war ungewiss, wie viel Zeit jetzt noch verstreichen würde, wie viel verstrichen war und ob das der letzte Morgen der Menschheit gewesen sein sollte. Sein zweiter Wunsch ging in Erfüllung, und so erschrak er nicht, als drüben am greifbaren Horizont leise ein Telefon klingelte. Stundenlang bewegte er sich darauf zu, zählte seine Gedanken und überstieg abwesend kleine herkunftslose Sandburgen, die halbverweht in der Sonne glitzerten und einen Pfad markierten. Als er das immer noch klingelnde Telefon erreichte, setzte er sich daneben, sammelte sich kurz und nahm ab. Eine verzerrte Stimm lärmte undeutliche Gesprächsfetzen. Es war als säße am anderen Ende der Leitung im Nirgendwo ein Grammophon, auf dessen Teller eine vergessene Zink-Schallplatte vor sich hin eierte.

Ich möchte um Verzeihung bitten“, sagte er mit trauriger Stimme in den Apparat. Schweiß tropfte von seiner Nase auf das Kohlemikrofon des Telefonhörers in seiner Hand. Seine Augen pendelten zwischen seinen Füßen hin und her, die sich durch den Sand wühlten. Er ließ Sand durch die andere Hand auf sein Schienbein rieseln, der sich hilflos in den Beinhaaren verfing. Ihm war flau im Magen, Müdigkeit tränkte sein Gemüt in Kompromissbereitschaft. Es dauerte nicht lange, da nahm der dritte Wunsch in seinem Kopf Gestalt an. Am anderen Ende der Leitung knisterte es geduldig.

Notizen im Mohnfeld (Nimroz)

Wenn man erst mal knapp 200 Tage tot ist, stellt sich innerlich ein stumpfes, schlauchendes Gefühl ein. Fast kräftezehrend. Obwohl alles sehr warm und hell zu sein scheint, verliert man den Glauben an die Trennung von Tag und Nacht. Die ersten 100 Tage waren sehr eigenartig. Wir haben uns lange darüber gestritten, ob es überhaupt noch Sinn macht über Zeit und ihr Verstreichen zu sprechen, geschweige denn darüber nachzudenken. Etwas, das aufhört, das endet, ja, das passiert einfach nicht mehr. Nach einem Ende gibt es für die Sache, die aufhört zu existieren, absolut nichts mehr. „Unvorstellbar“, sage ich dazu und du nickst kurz, lächelnd. Dieses Lächeln. Es ist ein Ornament, eine Verzierung auf müde gewordenen Mauern. Der Putz bröckelt.

Wie dem auch sei, betrifft einen das erst mal selber – und das wird es früher oder später ja jeden – findet man sich zu Füßen völlig absurder Gedanken wieder. Ich sage das jetzt so leicht, aber ich habe lange gebraucht, das alles zu verstehen. Wenn ich also von Tagen spreche – wie zu Beginn – meine ich eigentlich gar nichts. Nur etwas von dem man in unserem Zustand annehmen könnte, es sei etwas Langwieriges. Jedenfalls waren die ersten 100 Tage sehr eigenartig. Ihr Lächeln hat sich nicht verändert. Mir läuft es kalt den Rücken herunter.

Die Erinnerungen an Afghanistan und das Mohnfeld, die Granatäpfel, die sengende Hitze an einem Ort nahe der iranisch-afghanischen Grenze waren schnell aus unseren Köpfen verschwunden. Wir vergaßen das Schlafen, hatten aber permanent das Gefühl zu träumen. Mit jeder Erinnerung, die uns verließ, baute sich etwas um uns herum auf und nahm Gestalt an. Wir vergaßen auch das Gefühl von Wasser auf unserer Haut. In diesem sehr speziellen Augenblick schauten wir uns in die Augen und die Erinnerung löste sich lautlos auf. Wir merkten das. „Wasser“, dachte ich noch; „Haut“, sagte sie. Aber es war zu spät. Zu unseren Füßen erschien ein See, inkarnierte, ganz plötzlich. Es war wie eine Geburt und wir taten verwirrt. Mitten im Nichts. Einfach unfassbar.

Sie hatte Angst, verstand das alles nicht und weinte viel. Ich versteckte meine Angst und begann Blödsinn zu machen. Einfach was mir in den Kopf schoss, um sie aufzumuntern. Wir hatten hier schließlich nur einen See, grelles Licht, Hitze und schwachen, warmen Wind, der aus allen Richtungen zu kommen schien. Meine komischen Einlagen machten sie nicht sicherer mit dem Nichts um uns herum, aber es lenkte sie und auch mich ab. „Nach 53 Tagen“, wie es mir nach anscheinenden 53 Tagen entglitt, kam der Regen und hielt lange an. Das war an einem Punkt, als ich ihr alle Witze erzählt hatte, die ich kannte. Regen bedeutete Himmel. Himmel bedeutete irgendwo zu sein. Wir hatten kurz Hoffnung zu sein. Aber der Regen kam aus dem Nichts. Wie ihr Weinen. Ich hörte mit den Scherzen auf. Denn wie sagt man so schön: Mit dem Clown kommen die Tränen.

Nimroz

Die Sonne brennt an einem späten Nachmittag im Juli. Nach einem langen Marsch unter afghanischem Himmel erreichen wir Felder bei Zaran irgendwo in der Provinz Nīmrūz. Uns brennen die Köpfe und die Füße. Auf einem Mohnfeld verstecken wir uns vor bewaffneten Männern. Nach langem Schweigen, setzt sie sich auf, öffnet ihren Rucksack und holt zwei Granatäpfel aus einer dreckigen Papiertüte. Unter Schmatzen werden wir schläfrig. Meine Leinenhose ist völlig durchgeschwitzt. Geduckt bauen wir uns einen provisorischen Sonnenschutz aus unseren Kleidern. Ich spüre einen heißen, langsamen Windstoß, das Feld zittert und wir lauschen der Einöde. Unsere Augen fallen zu. Dann sterben wir und die Unendlichkeit wird real. Ich habe keinen blassen Schimmer, was passiert ist.