There is love in you
Auf warmer Haut reisen die Geister, legen ihre langsamen Hände an den Denkapparat und lesen die Unendlichkeit der Vorstellungskraft. Nur ein bisschen weiter noch1.
Auf warmer Haut reisen die Geister, legen ihre langsamen Hände an den Denkapparat und lesen die Unendlichkeit der Vorstellungskraft. Nur ein bisschen weiter noch1.
Die Zeiten, in denen wir uns wortlos verstanden, in denen die Schwerkraft von Gedanken aufgehoben war, alles außer uns zu Boden fiel, wir rücksichtslos aus unseren Quellen getrunken haben, waren wild und intermolekular. Wir waren eins, am anderen Ende der Zeit, wo wir unseren Seelen durch die Gegenwart gefolgt sind und unter freiem Himmel nach Hause blickten.
Du hast gesagt, dass man sich nur fest genug an den Händen halten muss damit es beim Anfang bleibt.
Wie ich hier an unserem Grab stehe und meine Blicke nach unten fassen, den Raum zwischen uns ertasten, das Reziproke unserer Träume verstehen, lasse ich sie los – all die Erinnerungen und Träume, die ohne deinen Herzschlag nur fossil verblassen würden. Ich fange zweimal denselben Satz an, meine Tonlage hält unsere Hände fest und ich friere immer wieder ein, weil ich nicht weiß, was ich mit all den Worten machen soll.
Vielleicht haben wir irgendwann noch mal die Möglichkeit mit der Wahrheit zu spielen. Irgendwo, wo wir nicht eins sein müssen um wieder glücklich zu sein. Einen Ort, an den wir glauben und an dem wir nicht vorsichtig sein müssen, mit uns.
„Ich habe losgelassen. Alles, was ich jetzt gerade fühle, ist, wie unsere Hände auseinandergleiten. Mein Kopf füllt sich mit Beat und den Dingen, die dir folgen müssen. Weil sie mir alleine nicht gehören können.“
Hier ist der Anfang und ich gehe fort.
„Zum Nirgendwo, und bitte keine Umwege“, sprach ich und mir war, als hätte ich das gar nicht gesagt. Der Taxifahrer blickte mich etwas gelangweilt durch seinen Rückspiegel an, nickte und fuhr los. Er trug eine sandfarbige, speckige Lederweste über einem grünen Shirt und eine dunkelblaue Jeans. Ich sah aus dem Autofenster.
Meine Augen folgten den Dingen, die an uns vorbeizogen oder an denen wir vorbeizogen – Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, was von beidem.
Von Baum zu Baum sprangen meine Blicke, tasteten kurz schemenhafte, verschwommene Umrisse ab, blieben hier und da an etwas rotem oder etwas blauem hängen und vergaßen. So sehr ich mich auch bemühte, ich blieb flüchtig. Da, meine Wahrheiten; da, meine Lügen; da, meine Erinnerungen; da, wo ich mal war; da, wo ich wünschte, zu sein; da, unendlich viele Augenblicke, in denen ich nicht gedacht habe. Ich schoss wie ein Komet durch den unendlichen Raum, der mir zu klein war und überall zwickte, wie etwas, das einem nicht mehr passte.
Meine Augen sprangen hin und her. Als ich noch ein Kind war, habe ich es geliebt, wenn ich mit dem Zug fuhr. Dieses Springen der Augen stellt sich immer ein, wenn man aus dem Zugfenster schaute und von Mast zu Mast oder Baum zu Baum hüpfte, die an einem vorbeizischten. Manchmal beobachtete ich auch die Augen der Menschen, die mir gegenübersaßen und aus dem Fenster starrten und der vorbeiziehenden Landschaft folgten und ich fragte mich, ob sie wirklich beobachteten oder ob sie auch Fragen hinter sich ließen.
Manchmal ist die Welt zu groß und zu laut um sich nach vorne zu trauen und für sich selbst ein Plädoyer zu halten, das bitter notwendig ist.
Wir verschwinden in den Straßen und meine Hand berührt die Fensterscheibe.
Wir schweigen große Luftblasen und lassen die Beine baumeln. Es tut nicht weh und wirkt lange an.
Danke an Wolke.
Ich habe ein paar Worte gefunden.
Der Turm aus Werbeprospekten auf meinem Küchentisch wuchs von Tag zu Tag, von Woche zu Woche immer höher, und drückte auf die schwere Last des Briefes meiner Mutter. Mich beruhigte das irgendwie, es hielt die Worte von mir fern, die ich sowieso nicht begreifen konnte. Manchmal saß ich morgens, abends oder auch ganze Tage an den Wochenenden einfach nur an diesem quadratförmigen Holztisch, starrte den Papierstapel an, oder aus dem Fenster, trank Kaffee und genoss die Stille, die außerhalb meines Kopfes in diesen vier Wänden herrschte. Ich war dankbar für die Schwerkraft, für ihre Macht und ihre Möglichkeiten, Dinge unter anderen Dingen zu begraben, verschwinden zu lassen, gar vergessbar zu machen. Aus einem Grund, den ich nicht verstand, ging ich nicht so weit, den Brief ungelesen oder ungeöffnet wegzuwerfen. Ich war mir sicher, dass das ein Fehler gewesen wäre und mich endgültig in ein Chaos gestürzt hätte, dessen Kontrolle mir aus den Händen geglitten wäre.
Nachts, wenn ich wach lag, versuchte ich die Dinge zu ordnen, versuchte mich zu ordnen. War ich es, der mein Leben und meine Gefühle lenkte, oder hing ich selbst wie eine Marionette an den Fäden meiner Umgebung und meiner Konsequenz, und ließ mir lediglich einreden, ich hätte die Dinge im Griff? Ich fühlte mich wie eine Verpackung, deren Inhalt längst aufgebraucht war und einzig und allein wegen Antriebslosigkeit und Unachtsamkeit noch im Regal stand. Die Tristesse zog in mein Leben ein, ohne dass ich das überhaupt mitbekam. Irgendwann als ich meine Wohnungstür zögerlich schloss, musste sie durch den Türspalt hereingeschlüpft sein, kroch in mein Bett und meine Ohren, und wickelte mich in einen weißen, weichen, feinfasrigen Vorhang aus Routine, an dem meine Blicke in die Außenwelt und das, was mich umgab, abprallte und zu mir zurücklenkte. Ich beschäftigte mich im Grunde nur noch mit mir selbst, aber in einem Maße, welches zu keinerlei Antworten oder Erkenntnissen führte. Diese surrealistischen Episoden wurden lediglich von meinem Arbeitsalltag unterbrochen und den schier endlosen Nächten, in denen sich mein physiognomischer Verfall eine Pause gönnte. Hin und wieder träumte ich von meiner Arbeit, Werbeprospekten und dem Supermarkt; die einzigen Dinge, für die ich noch ein Minimum an Aufmerksamkeit aufbrachte. Ich gewöhnte mich psychisch so sehr ans Funktionieren, dass der Wunsch nach sonstiger Betätigung oder gar des angehört Werdens aus meinem peripheren Blickfeld verschwand. Über Wochen wirkte dieses Tabula-Rasa auf mich ein, bis ich schließlich keinerlei Erinnerung mehr produzierte.
Je mehr Nächte an mir vorbeizogen, desto weniger passierte in meinen Träumen. Sie wiederholten sich, so wie ich mich jeden Tag wiederholte. Das machte mich zunehmend nervöser; und so war es ein wahrer Glücksfall, als ich herausfand wie ich meinen Träumen mit falscher Realität begegnen konnte.
Während ich im Bett lag, ließ ich einfach die Glotze laufen bis ich einschlief und nahm die Bilder und Dialoge der Sitcoms, für die ich ab da an haufenweise Geld bei Amazon ausgab, mit in eine Welt, in der ich nicht wach war, die seit Wochen von monotoner Redundanz geprägt wurde: Friends, King of Queens, Seinfeld, Married… with Children, Everybody Hates Chris, Everybody Loves Raymond, The Big Bang Theory, Family Matters, Unhappily Ever After, The Fresh Prince of Bel-Air, Dharma & Greg, Dad Has Died, The Cosby Show, Drake & Josh, Two and a Half Men, Home Improvement, ALF, How I Met Your Mother, Malcom in the Middle, Who’s the Boss?, Roseanne, Spin City, The IT Crowd und Taxi.
Ich wurde Teil dieser Sitcoms, und die Sitcoms wurden zu einem Teil von mir; es entstand eine Symbiose zwischen uns, eine vertragslose und stillschweigende Vereinbarung, einen scheinbaren, fragilen Frieden, der in meinem Gehirn inkarnierte um den Up- und Download durch meine Augen am Laufen zu halten. Da war irgendetwas im Licht, das von meinem Fernseherbildschirm grell auf mein Gesicht geworfen wurde, irgendetwas zwischen den Atomen der Luft, das, anders als ich, keinen Schatten an die Wand hinter mir warf. Ich war mir nicht mal mehr im Klaren darüber, ob ich überhaupt noch einen Schatten besaß, oder ob ich selbst der Schatten war.
Träumte ich tatsächlich von einer Sitcom – das war ganz davon abhängig, welche gerade neben meinem Bett lief – so saß ich meistens bei den Aufzeichnungen im Studiopublikum in einer der hinteren Reihen und verfolgte das Geschehen auf der Guckkasten-Bühne, das mir näher war, als alles andere. Ich war Teil des laugh track, dem Gelächter und Gejohle des Studiopublikums, das bei der Ausstrahlung im Fernsehen als canned laughter bei Gags und Pointen eingespielt wird, und immer irgendwie konserviert, alt und künstlich klingt. Ja, ich war ein Teil dieser diktierten, vermutlich schon verstorbenen Emotion, und würde bis zum Ende der Welt archiviert und abspielbar bleiben.
Manchmal hingen mir einige Nächte bis tief in den Tag nach, meist begleitet mit Kopfschmerzen und bizarren Vorstellungen. Wenn mich meine Konzentration auf Arbeit tatsächlich mal verließ, setzte dieses abwesende Starren auf den Monitor ein, die mager gewordenen Finger in der Zehnfinger-Stellung auf der Tastatur ruhend.
Meine eigene Sitcom würde den Titel Advertising Holidays tragen, dachte ich, und würde das tragische Leben eines selbstständigen Mediengestalters namens Ethan wunderbar überzeichnet, komisch und melancholisch thematisieren. Ein älterer Mann, vielleicht Ende Dreißig, mittelgroß, schwarze Haare, graumelierte Kotletten, immer glatt rasiert, und mit einer pathologischen Vorliebe für Typographien, T-Shirts, die verstorbene Wrestler abbildeten und Musik von Ryan Adams, als dieser noch Lead-Sänger bei The Cardinals war. Ethan ging in irgendwann in die Werbebranche und blieb schlussendlich bei Werbebroschüren und Prospekten hängen. Die Vorstellung, dass man seiner Arbeit mit Ignoranz begegnete, ihm Manipulation und Belästigung durch seine Arbeit vorwarf und die Tatsache, dass sich ein ganzer (und hochprofitabler) Industriezweig gebildet hatte, der die seit Jahren steigende Nachfrage nach Mülltonnen speziell für Briefkastenwerbung deckte, machte ihm zu schaffen und stürzte den guten Ethan in eine Midlife-Crisis. Wenn er nicht gerade in einer Bar mit Freunden abhing, die auch Mediengestalter waren, nur wesentlich erfolgreicher, so stellte er in seiner Freizeit Leuten nach, die seine Werbeprospekte noch am Briefkasten entsorgten. Nachts bastelte er dann an falschen Coupons, Gutscheinen und Rabattheftchen, die er diesen dann in die Briefkästen warf und sich in Fäustchen lachte bei dem Gedanken an die dummen Visagen, die an irgendwelchen Theken irgendwelcher Geschäfte standen, mit den Gutscheinen in den Händen, peinlich berührt rot anlaufen und von Kassieren ausgelacht werden. Ihm gefiel dieses Guerilla-Leben, er fühlte sich ein bisschen wie eine Figur aus einem Faldbakken-Roman.
Auch ich würde in dieser Sitcom eine kleine Nebenrolle spielen, oder einen Cameo-Auftritt haben, vielleicht in einer traurigen Episode. Vermutlich würde ich mich selbst spielen, einen Kerl, der sich tollpatschig in das Selbstmitleid trieb, sein Herz handlungsunfähig machte, sich öfter an öffentlichen Orten übergab als üblich und jeden Abend nach der Arbeit sehnsüchtig die Werbeprospekte aus dem Briefkasten fischte, um sie auf einem immer größer werdenden Küchentisch zu stapeln. Ich sah mich schon Preise und Auszeichnungen für den Erfolg meiner Sitcom entgegen nehmen, wie ich im schwarzen Frack mit Fliege und einer schwarzen Intellektuellen-Hornbrille vor irgendein Mikrofon trat und dem hingerissenen Publikum, das an meinen Lippen klebte, bedeutungsschwanger erklären würde, wie viel Autobiographie ich in dieser Serie verarbeitete, dass die zirkuläre Dramaturgie der Serie und die halbstündige Netto-Laufzeit der Staffelepisoden eine Hommage an mein Leben waren: Am Ende jeder Episode war man so schlau wie zu Beginn. Unter tosendem Applaus würde ich dann meine Auszeichnung in Gold triumphierend in die Luft recken, und in einem Meer aus Blitzlichtern Handküsse und Stinkefinger von meinem Podest in die Masse werfen. Lady Gaga hätte mir in irgendeinem ironischen Kleid aus Fleisch und Dickdarm den Preis überreichen müssen und ich hätte ihr beim notorischen Bussigeben ins Ohr geflüstert, wie furchtbar billig ich sie fand und die Kunstfigur, die sie verkörperte, noch mehr hasste, als die dämlichen Krawatten von Kai Ebel. Und Lady Gaga hätte schön brav weiterlächeln und winken müssen.
Irgendwie lebte ich in einem Albtraum, oder aber der Albtraum wurde mein Leben. Was auch immer in dem Brief meiner Mutter stand; ich wollte es nicht lesen. Ich konnte es nicht.
Es ist so unendlich heiß in unseren Köpfen. Wir verbrennen uns die Finger und schieben manchmal Worte ins Schweigen. Nachts kühlen wir uns stromernd in den Straßen ab und schreiben, kleben und flüchten vor den vielen Dingen, die wir zu suchen vergessen haben. Ich schmeiße meine Gedanken an dreckige Wände und sehe sie zerbrechen. Wenn es ein Gefühl der Freiheit gibt, dann bin ich in solchen Augenblicken ziemlich nah dran.
Als er die Zeit ausschaltete und das Licht löschte, erschrak er vor der einkehrenden Stille. Er verharrte in seiner Position, bewegte sich keinen Millimeter und hielt die Luft an. Seine Gedanken flossen durch einen Abfluss ab. Am Ende gluckerte es noch kurz. “Ja“, flüsterte er erleichtert und schloss seine Augen um dem Stillstand mit aller Aufmerksamkeit zuzuhören.
Es klappert in der Küche und die Monster tanzen im Schädel. „Doofer Tag“, sagt er und räuspert seine Stimme. Verkrustete Teller, Krümel, Tassen mit Kaffeeboden, verschmiertes Besteck türmen sich auf Tischen, Schränken, Regalen, Ablagen und Arbeitsflächen.
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Sein Blick und seine Hände verlieren sich im Spülbecken unter Schaum:
Es muss 1996 gewesen, als er mit seiner und einer befreundeten Familie in der Slowakei Urlaub machte. In der Schwimmhalle des Hotels kämpfte er mit seinem Freund unter Wasser in Zeitlupe. Beide Jungs waren 11 Jahre alt und trugen schlimme Badeschlüpfer. Man einigte sich darauf, dass Figuren aus dem Arcade-Videospiel Street Fighter 2 angemessene Rollen seien, um die Situation in ein würdiges Spektakel zu verwandeln. Unter lautem Getöse und Chlorgeruch bekämpften sich hühnerbrüstige Versionen von Blanka und Sagat. Blanka, die grüne Kreatur aus Brasilien, ein Hybrid aus Mensch und Monster, dessen coolste Spezialattacke der Electric Thunder war. Sagat, der thailändische Riesenathlet und Nationalheld mit vernarbtem Oberkörper und Augenklappe, Meister des Thaiboxens, dessen Spezialattacke Tiger Uppercut den Gegnern und den beiden Jungs Angst einflößte. Niemand konnte gewinnen, Siege und Niederlagen wurden durch kindliche Vorträge ausdiskutiert. Steckte man einen vermeidlich heftigen Treffer oder die Andeutung eines Treffers ein, so hielten sich beide Jungs an die Regeln. Der Getroffene zollte Respekt vor der Kampfkunst des Anderen, ließ sich theatralisch durch das Wasser wegtreiben, plante einen Gegenangriff, während der Angreifer mit möglichst blumigen Geräuschen den Treffer verbalisierte. „Bamm“, „Dsch“ und „Brrrrch“ hallte das Echo durch die Schwimmhalle. Am Ende vergaß man den Kampf, widmete sich anderen Dingen, haderte man nicht mit sich selbst. Ihre Wege trennten sich einige Jahre später, als Gameboy-Spielen nicht mehr der Gipfel von Entdeckungsreisen war, das Onanieren den Willen nach Privatsphäre aus dem Nichts erschuf. Seitdem haben sich die Dinge verändert und jeden Tag kommen mehr Dinge dazu, die es zu regeln gilt.
„Seine eigene Nähe zu spüren, ist einfach nicht drin. Aber vielleicht hilft es einem, zu wissen, dass Andere dazu in der Lage sind. Und sei es nur, wenn man ein Zimmer betritt und den ganz individuellen Geruch des Jeweiligen riecht und nicht beschreiben kann. Die wahre Tragödie des Abschieds und des Überwindends liegt in solchen Banalitäten.“ – anonym
Ich überwinde mich nicht. Ich kreise leise über den Dingen, die ich verlassen habe. Mein Tempo ist leise und nicht wahrnehmbar. Ich treibe das erste Mal auf der Spur, die meine Umlaufbahn ist. Wattewolken werden begehbar.
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„Weißt du noch, als ich dich beschissen habe?“, begann ich. Danach folgte eine schwangere Stille. Iss deinen Herzschlag und schmecke das Gefühl des Stillwerdens:
„Wir hatten den Song immer zusammen gehört. Er und ich. Meistens wenn wir uns so schlimm stritten, dass einer irgendwann aufstand, zum Bett ging und darauf rum sprang wie auf einem Trampolin. Das war unser stilles Abkommen. Sobald ein Streit drohte die Grenzen des Anderen vollkommen einzurennen, war es demjenigen gestattet das Schlachtfeld vorzeitig zu verlassen, ‚Sabotage‘ (Beastie Boys) anzumachen und einfach solange auf dem Bett rumzuspringen bis der andere bereit war dazu zustoßen und mitzumachen.
Damit begruben wir nicht die Debatte, wir vertagten sie bis zu einem Zeitpunkt an dem wir in der Lage waren, nicht wie Feinde voreinander zu stehen, sondern wie Verbündete nebeneinander zu liegen. Schließlich saßen wir im selben Boot, das Leben hieß, und manchmal schien man diesen Umstand schlichtweg zu vergessen.“ – Mirna Funk
Ich sage: „Da drüben traue ich mich, neu anzufangen.“
Du sagst: „Es sieht so aus, als wäre das der richtige Ort dafür. Tu es.“
Ich habe vergessen, dass Normalität seine ganz eigene Geräuschkulisse hat.
Ich frage: „Woher soll ich wissen, was ich zuerst machen soll?“
Du antwortest: „Indem du dir diese Frage stellst, machst du den Anfang.“
Mir wird bewusst, dass ich eine eigene Vorstellung von einer Geräuschkulisse aufbauen muss.
Ich sage gespielt selbstbewusst: „Das Tempo werde ich selber bestimmen….“
Du entgegnest mir charmant: „Es dreht sich immer um das eigene Tempo.“
Laut und leise, mittelschwach und mittelstark – ein kleines Spektrum, das greifbar wird.
Ich frage: „Lege ich jetzt alles ab?“
Du antwortest: „Nur die Hülle.“
Ein greifbares Spektrum der Lautstärke, den Beat, den Takt und den Flow bestimmen.
Ich frage: „Okay, also da drüben?“
Du antwortest: „Ja, tu es.“
Ich höre ein Intro.
Ich frage ein letztes Mal: „Wann?“
Du antwortest zum ersten Mal: „Jetzt.“
Ich fühle mich zurückversetzt in Teenager-Tage, als alles winzig Kleine noch für unglaublich viel Welle gesorgt hat. Als ich mich noch schämte zu lächeln, weil ich eine hässliche Zahnspange getragen habe. Als ich meinen Bartpflaum noch so oft wie möglich heimlich mit dem Rasierer meines Vaters entfernte, in der Hoffnung er würde dadurch schneller wachsen. Als ich mit der Aussicht nach dem allerersten Kuss einen Pfefferminzbonbon nach dem anderen lutschte. Als die überzogene Angst vor Pein noch mein Leben bestimmt hat. Als ich 13 war und nicht 26. Als alles noch die Hälfte wog und neu war. Mit Aussicht auf Entwicklung. Die Hosentaschen gefüllt mit klackernden Murmeln und Hoffnung.