Augenblicke

Auf, nach vorne

Knackende und knarzende Fußsohlen eilen leise über warmes Holz. Sonst Stille in der Wohnung. Bettwärme an meinen Händen, Füßen, Wangen, ach überall. Draußen ist Sonne und Sonntag und mittelalter Morgen. Mit Frost und Winter und dem ganzen Scheiß, den man sich lieber vor beschlagenen Fenstern anschaut. In der Küche tropft der Hahn, dampft noch der Kaffee des Moments, als man sich noch vor dem Schlaf retten wollte, nur wenige Stunden ist das her. Bierflaschen nehmen Raumtemperatur an und den Raum ein. Hier und da verliert sich Kohlensäure im Nirgendwo, hört man Atmen aus den Betten der Anderen. Auch mal ein Husten oder Schlafstöhnen.

Ich bin auch wach. Höre dir beim Flüchten zu, knülle deinen Namen und deine Telefonnummer auf dem Nachttisch zur völligen Anonymität. Schließe die Augen und höre, wie eilig du deine Schuhe bindest, aus Angst ich könnte dich noch mal in der Tür erwischen. Ich warte eigentlich auf gar nichts.

Dann knallt die Tür und deine Flucht klingt eine Etage tiefer schon ruhiger. Höre deine Schritte durch das Fenster im Sonnenschein verschwinden, während du an den ersten alten Menschen vorbeiziehst, die nicht verstehen und nicht verstehen brauchen. Einmal blickst du zurück, fragenlos und müde.

Dass die Menschen keine Committments mehr brauchen, nur kurze Nähe, liegt vermutlich daran, weil sie es vergessen haben. Oder flüchten müssen.