Herzton

Da

„Zum Nirgendwo, und bitte keine Umwege“, sprach ich und mir war, als hätte ich das gar nicht gesagt. Der Taxifahrer blickte mich etwas gelangweilt durch seinen Rückspiegel an, nickte und fuhr los. Er trug eine sandfarbige, speckige Lederweste über einem grünen Shirt und eine dunkelblaue Jeans. Ich sah aus dem Autofenster.

Meine Augen folgten den Dingen, die an uns vorbeizogen oder an denen wir vorbeizogen – Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, was von beidem.

Von Baum zu Baum sprangen meine Blicke, tasteten kurz schemenhafte, verschwommene Umrisse ab, blieben hier und da an etwas rotem oder etwas blauem hängen und vergaßen. So sehr ich mich auch bemühte, ich blieb flüchtig. Da, meine Wahrheiten; da, meine Lügen; da, meine Erinnerungen; da, wo ich mal war; da, wo ich wünschte, zu sein; da, unendlich viele Augenblicke, in denen ich nicht gedacht habe. Ich schoss wie ein Komet durch den unendlichen Raum, der mir zu klein war und überall zwickte, wie etwas, das einem nicht mehr passte.

Meine Augen sprangen hin und her. Als ich noch ein Kind war, habe ich es geliebt, wenn ich mit dem Zug fuhr. Dieses Springen der Augen stellt sich immer ein, wenn man aus dem Zugfenster schaute und von Mast zu Mast oder Baum zu Baum hüpfte, die an einem vorbeizischten. Manchmal beobachtete ich auch die Augen der Menschen, die mir gegenübersaßen und aus dem Fenster starrten und der vorbeiziehenden Landschaft folgten und ich fragte mich, ob sie wirklich beobachteten oder ob sie auch Fragen hinter sich ließen.

Manchmal ist die Welt zu groß und zu laut um sich nach vorne zu trauen und für sich selbst ein Plädoyer zu halten, das bitter notwendig ist.

Wir verschwinden in den Straßen und meine Hand berührt die Fensterscheibe.