Gameboys

Es klappert in der Küche und die Monster tanzen im Schädel. „Doofer Tag“, sagt er und räuspert seine Stimme. Verkrustete Teller, Krümel, Tassen mit Kaffeeboden, verschmiertes Besteck türmen sich auf Tischen, Schränken, Regalen, Ablagen und Arbeitsflächen.

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Sein Blick und seine Hände verlieren sich im Spülbecken unter Schaum:

Es muss 1996 gewesen, als er mit seiner und einer befreundeten Familie in der Slowakei Urlaub machte. In der Schwimmhalle des Hotels kämpfte er mit seinem Freund unter Wasser in Zeitlupe. Beide Jungs waren 11 Jahre alt und trugen schlimme Badeschlüpfer. Man einigte sich darauf, dass Figuren aus dem Arcade-Videospiel Street Fighter 2 angemessene Rollen seien, um die Situation in ein würdiges Spektakel zu verwandeln. Unter lautem Getöse und Chlorgeruch bekämpften sich hühnerbrüstige Versionen von Blanka und Sagat. Blanka, die grüne Kreatur aus Brasilien, ein Hybrid aus Mensch und Monster, dessen coolste Spezialattacke der Electric Thunder war. Sagat, der thailändische Riesenathlet und Nationalheld mit vernarbtem Oberkörper und Augenklappe, Meister des Thaiboxens, dessen Spezialattacke Tiger Uppercut den Gegnern und den beiden Jungs Angst einflößte. Niemand konnte gewinnen, Siege und Niederlagen wurden durch kindliche Vorträge ausdiskutiert. Steckte man einen vermeidlich heftigen Treffer oder die Andeutung eines Treffers ein, so hielten sich beide Jungs an die Regeln. Der Getroffene zollte Respekt vor der Kampfkunst des Anderen, ließ sich theatralisch durch das Wasser wegtreiben, plante einen Gegenangriff, während der Angreifer mit möglichst blumigen Geräuschen den Treffer verbalisierte. „Bamm“, „Dsch“ und „Brrrrch“ hallte das Echo durch die Schwimmhalle. Am Ende vergaß man den Kampf, widmete sich anderen Dingen, haderte man nicht mit sich selbst. Ihre Wege trennten sich einige Jahre später, als Gameboy-Spielen nicht mehr der Gipfel von Entdeckungsreisen war, das Onanieren den Willen nach Privatsphäre aus dem Nichts erschuf. Seitdem haben sich die Dinge verändert und jeden Tag kommen mehr Dinge dazu, die es zu regeln gilt.